Aehra E-Crossover. Elektro auf italienisch.

Mit Aehra betritt ein neuer Akteur den Markt der Luxus-SUV mit Elektroantrieb. Der elektrische Crossover soll 2025 auf den Markt kommen und italienisches Design mit Agilität, nachhaltigen Materialien sowie einer Reichweite von etwa 800 Kilometer kombinieren.

Design können die Italiener. Das sieht man den Aehra E-Crossover sofort an, dessen Silhouette aussieht wie ein Lamborghini auf Stelzen. Kein Wunder, schließlich hat Filippo Perini, der für die Formsprache des Stromers verantwortlich ist, jahrelang beim Sportwagenhersteller den Bleistift geschwungen. Die minimalen Überhänge und die kurze, leicht geschwungene Front bringt man eher mit einem klassischen V12-Heckmittelmotor-Renner in Verbindung als mit einem BEV-SUV. „Warum müssen Elektroautos immer aussehen wie jene mit Verbrennungsmotor?“, fragt Aehra-Gründer Hazim Nada.

Auf diese rhetorische Frage ist keine Antwort nötig. Wir lassen lieber die Fakten sprechen. Der E-Crossover ist rund 5,1 Meter lang, etwa 1,64 Meter hoch und hat einen Radstand von 3 Metern. „Da passen vier NBA-Spieler rein“, sagt Hazim Nada und lächelt vielsagend, als wir entgegenhalten, dass es schon einen Unterschied macht, ob es kleinere Aufbauspieler oder monströse Center sind. Die Pforten zu dem geräumigen Innenraum sind hochaufschwingende Türen vorgesehen. Noch ist der Innenraum mit schwarz folierten Scheiben verhüllt, aber das Bedienkonzept soll innovativ sein und die großzügigen Platzverhältnisse des breiten Armaturenbretts nutzen. Wird spannend zu sehen sein, wie die Umsetzung aussieht.

Nada Hazim ist kein Car Guy. Der Aehra CEO wurde in den USA geboren, hat einen Abschluss in Theoretischer Physik an der renommierten Universität von Cambridge und promovierte in Angewandter Mathematik am Imperial College London. Ganz ohne Mobilität geht es bei dem 40-jährigen CEO des Start-ups nicht. Er hat einen Pilotenschein und besitzt einen Windkanal. Das erklärt auch den Ansatz, der hinter dem Aehra E-Crossover, bei dem es in erster Linie um Gewicht sowie Aerodynamik geht und Teile wie die Motoren oder die Batterie zugekauft werden. Noch ist nicht entschieden, welche E-Maschinen Aehra nutzen will. Ein Zulieferer hat nur Aggregate mit jeweils 200 kW / 272 PS im Angebot, sodass es drei Einheiten und 600 kW / 816 PS werden könnten. Macht ein anderer Anbieter das Rennen, bekommt das Auto zwei Triebwerke mit insgesamt 550 kW / 748 PS.

„Die Batterie hat 120 Kilowattstunden“, sagt Hazim Nada und erzählt, dass er sich in Gesprächen mit zwei außer europäischen Anbietern befindet. Das Ziel sind rund 800 Kilometer Reichweite, um in Regionen von Lucid vorzustoßen. Die Spannung beträgt 850 Volt, sodass schnelle Ladezeiten garantiert sind. Trotz dieser mächtigen Akkus soll das Aehra SUV weniger als zwei Tonnen wiegen. Deswegen setzen die Techniker auf Verbundstoffe wie SMC (Sheet Moulding Compound) oder Carbonfaser. Um die angestrebte Produktionszahl von 25.000 Einheiten pro Jahr zu realisieren, kommen kurze Fasern zum Einsatz, die mit hohem Druck gepresst und nicht gebacken werden. Nachhaltige Materialien sind ein Konzept, dass sich durch das gesamte Auto zieht.

Das Aehra E-SUV wird eine sehr steife Karosserie haben und die Basis-Struktur soll lediglich rund 170 Kilogramm wiegen. Eine Hinterachslenkung hilft bei der Agilität und der angestrebte cW-Wert von 0,21 bei der Reichweite. Schön zu sehen, dass die Italiener das mit einem ansehnlichen Heck und ohne Entenbürzel-Spoiler erreichen. Für Hazim Nada ist es wichtig, neue Wege zu gehen, deswegen hat der CEO verschiedene Universitäten abgeklappert, um talentierte Ingenieure anzuheuern. Ein wichtiger Punkt ist auch die Qualitätssicherung während und nach der Produktion. Bei Aehra weiß man, wie wichtig eine solide Verarbeitung gerade für ein Start-up ist, um den Tesla-Spaltmaß-Effekt zu verhindern.

Die Zeit des Klinkenputzens ist für Hazim Nada noch nicht vorbei. Um die hochfliegenden Pläne Realität werden zu lassen, ist Geld nötig. Viel Geld. Zwei Investoren haben schon Interesse bekundet und die erste Geldsammelrunde scheint gesichert. Wenn alles glattgeht, soll es nicht bei dem SUV bleiben, das 2025 auf den Markt kommt und rund 180.000 US-Dollar kosten wird. Dabei soll es nicht bleiben. Nada Hazim plant eine Limousine, die nächstes Jahr vorgestellt wird und nach dem E-Crossover erscheint. Beide Fahrzeuge teilen sich die selbstentwickelte Plattform und rund 75 Prozent der Bauteile. So halten sich die Kosten in Grenzen. Doch wir haben schon viele interessante Konzepte gesehen und ambitionierte Pläne gehört – Stichworte Byton und Faraday Future. Der Kampf um die Pfründe ist auch bei den Elektromobilen voll entbrannt und der Markt nicht unbegrenzt.

TEXT Wolfgang Gomoll für WALTER

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