Die Südtiroler Marke setzt weiterhin auf den straffen, körpernahen Sitz der Dottore-Linie, verwendet nun aber leichtere und stärker belüftete Materialien. Ziel war es, den für die Kollektion typischen Halt zu bewahren und gleichzeitig Wärmestau sowie Feuchtigkeit zu reduzieren.
Getestet wurde die neue Ausrüstung unter Bedingungen, die mit einer normalen Sonntagsrunde wenig zu tun haben. Der australische Triathlet und frühere Radprofi Cameron Wurf fuhr an einem Tag über alle wichtigen Pässe Andorras. Am Ende standen mehr als 300 Kilometer, über 10.000 Höhenmeter und mehr als zwölf Stunden im Sattel. Auf einem Teil der Strecke wurde er von Tom Pidcock begleitet, der bereits an früheren Rennsportentwicklungen der Marke beteiligt war.
Trikot mit Technik aus dem Rennsport
Das Dottore Clima Jersey orientiert sich technisch an den Skinsuits, die Q36.5 für Tom Pidcock und dessen Team zur Vuelta a España 2025 entwickelt hatte. Vorder- und Rückenteil bestehen aus einem Gewebe mit Graphenfasern, das die Belüftung und Wärmeabgabe verbessern soll.
Für die Ärmel verwendet Q36.5 ein besonders leichtes, gewebtes Material. Es soll den Luftwiderstand reduzieren und zugleich weniger Wärme am Körper halten. Das Trikot richtet sich damit weniger an gemütliche Tourenfahrer als an ambitionierte Rennradfahrer, die auch bei hohen Temperaturen zügig unterwegs sein wollen.
Leichtere Hose, gleicher Halt
Auch die Dottore Clima Trägerhose wurde neu aufgebaut. Sie übernimmt den kompressiven Sitz und die Stabilität der Dottore Pro, setzt aber auf dünnere und atmungsaktivere Gewebe.
Cameron Wurf beschreibt den Unterschied vor allem beim Temperaturgefühl: Die Hose biete denselben Halt wie die klassische Dottore, fühle sich aber leichter an, halte den Körper kühler und trockne schneller.
Das dürfte besonders auf langen Etappen relevant sein. Bei großer Hitze entscheidet nicht nur die Polsterung darüber, ob eine Hose funktioniert. Ebenso wichtig sind Feuchtigkeitstransport, Materialspannung und die Frage, ob das Gewebe auch nach mehreren Stunden noch stabil sitzt.
Spezialausrüstung statt Allround-Lösung
Die Dottore-Clima-Linie ist keine universelle Radbekleidung für jede Jahreszeit. Sie wurde für hohe Temperaturen und intensive Belastungen entwickelt. Wer überwiegend am frühen Morgen, in gemäßigtem Klima oder mit niedriger Intensität fährt, braucht diese Spezialisierung vermutlich nicht.
Für lange Sommeretappen, Alpenpässe oder Rennen bei Hitze ist der Ansatz dagegen nachvollziehbar. Q36.5 versucht nicht, die Bekleidung mit zusätzlichen Funktionen zu überladen. Stattdessen geht es um weniger Gewicht, bessere Belüftung und einen weiterhin festen Sitz.
Ob Graphenfasern und besonders leichte Gewebe im Alltag tatsächlich einen deutlichen Unterschied machen, lässt sich erst nach längerer Nutzung beurteilen. Der Praxistest in Andorra zeigt zumindest, für welchen Einsatzbereich die Kollektion gedacht ist: sehr lange Tage, viele Höhenmeter und Temperaturen, bei denen gewöhnliche Trikots schnell an ihre Grenzen kommen.