Carlos Sainz & Jr. El Matador und Smooth Operator.

Rallye-Weltmeister Carlos Sainz und sein Formel-1-fahrender Junior selben Namens sind nicht nur erfolgreiche Sportler. Sie gehören außerdem zu einer der angesehensten Familien Spaniens. Und der bestaussehenden. Und der bestgekleideten.

Stuart Turner war verwirrt. „Ein Herr König will wissen, warum Carlos Sainz ausgefallen ist? Ich kenne keinen Herrn König“, rätselte der Ford-Teamchef am Abend der ersten Etappe der Rallye Portugal 1987. „Ähm, kein Herr König“, erwiderte Stuarts Assistent, „ich habe DEN König von Spanien am Telefon.“ 

Carlos Sainz

Diese Geschichte ist nicht einwandfrei verbürgt. Aber sie würde perfekt zu Carlos Sainz passen. Also zum Senior, dem zweimaligen Rallye-Weltmeister und Vater des gleichnamigen Formel-1-Piloten. Die Familie Sainz gehört seit Generationen zu den oberen Zehntausend in der spanischen Hauptstadt Madrid. Der vor zwei Jahren verstorbene Patriarch Antonio Sainz Rebello war Unternehmer und vertrat zeitweise Spanien als Honorarkonsul in Bolivien. Seine Söhne Carlos und Antonio bereiteten sich auf der Universität darauf vor, die Firma zu übernehmen.

Entsprechend heftig war das Theater, als Carlos das Jurastudium aufgab, um sich ganz dem Rallyesport zu widmen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der 1962 Geborene bereits die spanische Jugendmeisterschaft im Squash gewonnen und ein Probetraining bei den Nachwuchsfußballern von Real Madrid absolviert. Antonio fuhr auch Rallyes, aber nur zum Spaß. Soweit akzeptabel. 

Doch Carlos Sainz wollte Profirennfahrer werden. Nach einigen Erfolgen auf der Rundstrecke stieg er schnell zum Vertragspiloten für Ford in der spanischen Rallyemeisterschaft auf. Dann kam die Rallye Portugal 1987. Erster WM-Einsatz für Carlos Sainz. Und der Neuling bügelte auf der ersten Wertungsprüfung die Stars. Zum ersten Mal überhaupt in der Historie der Rallye-WM wurde ein spanisches Team auf Rang 1 geführt. Dann streikte der Turbolader des Sierra Cosworth. Ausfall statt Sensation. Was halb Spanien unter Tränen am Radio verfolgte und schließlich zum kolportierten Anruf von König Juan Carlos bei Ford-Teamchef Stuart Turner führte.

Carlos Sainz und Carlos Sainz jr

1989 wechselten Carlos Sainz und sein neuer Beifahrer Luis Moya zu Toyota, in der folgenden Saison gewannen sie ihren ersten WM-Lauf. Spätestens als Sainz 1992 zum zweiten Mal Weltmeister wurde, hatte er den Status eines Nationalhelden erreicht. „Ich war als Kind ein Fan von Carlos“, bestätigt sogar der zweimalige Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso. Sainz‘ Hochzeit mit Reyes Vázquez de Castro übertrug das Fernsehen live. „Ich habe erst realisiert, was für ein Superstar mein Vater ist, als die Innenstadt von Madrid für Showfahrten anlässlich seines Abschieds aus der Rallye-WM gesperrt wurde“, erinnert sich Sohn Carlos Junior.

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Zum Mythos trug auch bei, dass Sainz Senior ganz im Sinne tragischer Helden vom Pech verfolgt schien. 26 WM-Siege machen „El Matador“ zum vierterfolgreichsten Rallyefahrer aller Zeiten. Aber mindestens zwei weitere WM-Titel verpasste er durch technische Defekte oder teaminterne Intrigen.

Ausgerechnet einer seiner größten Rivalen überredete Sainz zu seiner späten zweiten Liebe, der Rallye Dakar. „Ohne Colin McRae wäre ich nicht hier“, verriet er bei seinem ersten Start 2005 im Werksteam von Volkswagen. Vier Mal gewann Sainz den Wüstenmarathon. Zuletzt 2024, womit der damals 61-Jährige einen neuen Altersrekord aufstellte.

Carlos Sainz jr

Sainz hat zwei Töchter und einen mittlerweile bekannteren Sohn, der mit vollem Namen Carlos Sainz Vázquez de Castro Cenamor Rincón Rebollo Virto Moreno de Aranda Don Per Urrielagoiria Pérez del Pulgar heißt. Dieser lernte Kartfahren auf der Indoor-Bahn seines Vaters. 2015 war Sainz Junior in der Formel 1 angelangt, als Teamkollege von Max Verstappen bei Toro Rosso. Für Ferrari feierte er vier Siege, bevor er Rekord-Weltmeister Lewis Hamilton weichen musste und für 2025 zu Williams wechselte. 

Aus seiner Ferrari-Zeit stammt auch sein Spitzname „Smooth Operator“, zu dem er eher zufällig kam. „Ich mochte das Lied und habe es manchmal gesungen, ohne genau zu wissen, was dahintersteckt“, beschreibt Sainz. Presse und Fans waren jedenfalls begeistert, passt „Smooth Operator“ doch perfekt zu seinem für F1-Verhältnisse zurückhaltenden Charakter.

Ohnehin ist die Familie Sainz das genaue Gegenteil der Verstappens und Strolls dieser Welt. Sie hält zusammen wie Pech und Schwefel. Carlos Senior und seine Frau Reyes sind seit 33 Jahren verheiratet. Der Vater begleitet seinen Sohn als Berater zu fast allen Rennen, offizieller Manager ist Cousin Carlos Oñoro. Die Liaison von Carlos Junior mit dem schottischen Model Rebecca Donaldson spielt sich weitgehend abseits der Klatschpresse ab. Auch seine Schwestern Blanca und Ana gehören mit ihren Familien zur Madrider High Society.

Carlos Sainz und Carlos Sainz jr 2

Skandale? Fehlanzeige. Was man von Juan Carlos, im Jahr 1987 König von Spanien und interessiert am Schicksal von Carlos Sainz, nicht gerade behaupten kann.

Und darum hat der englische Bekleidungshersteller Hackett auch nicht Juan Carlos, sondern die wahren Könige Spaniens für seine neue Kampagne ausgewählt. Die beiden stehen oft im Rampenlicht, und hochwertige Kleidung ist ihnen gewiss auch nicht fremd, aber der Auftrieb beim Fotoshoot für die Kampagne machte die bescheidenen Spanier fast ein bisschen verlegen. Trotzdem sie hatten große Freude. Miteinander. Solche Vater-Sohn-Aktivitäten ohne ein Lenkrad in der Hand gibt es nicht so oft.

Carlos Junior: „Es war etwas ganz Neues, etwas Anderes für uns, aber wir hatten viel Spaß. Und haben auch viel übereinander gelacht, denn es gibt einige peinliche Situationen und Momente, wenn man dem anderen beim Posieren zuschaut. Wir hatten eine gute Zeit!“

Und Carlos Senior sieht das nicht anders: „Ja, ich stimme im Grunde mit Carlos überein. Ich glaube, so etwas haben wir bis jetzt noch nie gemacht. Ganz sicher keine Kampagne als „Model“ in Anführungsstrichen. Ich erinnere mich an die Tage davor. Da war eine gewisse Anspannung mit dem Gedanken an das, was da auf uns zukommen würde. Aber jetzt, im Nachhinein, erinnere ich mich nur noch an einen sehr angenehmen Tag, sehr nett, sehr leicht und an dem wir uns am Ende wirklich amüsiert und viel gelacht haben.“

Carlos Sainz 1

Die Sainzens (sagt man das so?) hätten das auch nicht mit jedem Modelabel gemacht, Hackett aber war sowieso schon in ihren Schränken gut vertreten. Carlos Senior: „Ich identifiziere mich sehr mit diesem Stil. In meinem Kleiderschrank fanden sich auch schon vor der Kampagne viele Stücke dieser traditionellen Marke.“ Und auch der Junior stimmt zu: „Um die Wahrheit zu sagen: ich war immer ein bisschen wie er. Mein Vater und ich lieben das Landleben, wir haben beide einen relativ klassischen Stil, obwohl ich natürlich einen moderneren Touch habe.“

Carlos Senior: „Junge Leute wie Carlos – und in seinem Fall vielleicht noch ein bisschen mehr, da er so exponiert ist  – müssen etwas mehr auf ihr Image achten. Trotzdem sind wir beide nicht so, dass wir uns übermäßig Sorgen machen und immer darüber nachdenken, was wir anziehen oder nicht. Wir wollen uns einfach wohlfühlen mit Kleidung, die wir jederzeit tragen können.“

Carlos Junior: „Nun, da bin ich nicht ganz einverstanden (lacht). Vielleicht wird man mit dem Alter doch eitler, denn wenn ich sehe, wie er sich immer Gedanken darüber macht, welche Jacke, welche Hose, welches Hemd … er fragt auch meine Mutter oft … nein, das war ein Scherz.“

Carlos Sainz jr 1

Einigen wir uns darauf: beide haben ihren Stil gefunden. Und auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht ein wenig zu klassisch wirken mag: sie sind eine angenehme Ausnahme fürs Auge unter all den Fußballern, HipHoppern und Hamiltons dieser Welt. Und außerdem: wie soll denn etwas zu klassisch sein? Zu klassisch geht gar nicht. Wir ziehen die Bemerkung also zurück. 

PS: Carlos Sainz Senior hatte übrigens schon immer einen guten Style, der mindestens mal bei den Damen anklang fand: Die Mutter unseres Chefredakteurs hatte seinerzeit ihren ersten Hund Carlos genannt, weil sie den Herrn Sainz und seinen Stil schon sehr mochte. Heute ist sie allerdings im Team Verstappen. Sehr flatterhaft, die Frau Mama.

TEXT Christian Schön
FOTOS Hackett London & McKlein

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WALTER Magazin.