Jan Frodeno. Schmerz, Wut, Motivation.

Jan Frodeno gilt als Ausnahmetalent. Wie Walter Röhrl. Beides Autofans, Radsportler, hochdiszipliniert – und dann auch noch fast gleich groß. Wir sprachen mit ihm über Ehrgeiz, Schmerzen, Motivation - und natürlich über Autos.

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Ausnahmetalent, Spitzensportler und einer, der seine Sportart seit Jahren dominiert. Die Rede ist ausnahmsweise nicht von Walter Röhrl, sondern von Jan Frodeno, Triathlet, Olympiasieger, dreifacher Weltmeister und Rekordhalter. Für die Triathlon-Langdistanz benötigt er nur 7:23:53 Stunden. Weltrekord 2021. Das sind 3,86 Kilometer schwimmen, 180,2 Kilometer Rad fahren und 42,195 Kilometer Laufen. Hintereinander. Als erster Triathlet gewinnt er die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen (2008) wie auch den Titel beim Ironman Hawaii – und das gleich drei Mal: 2015, 2016 und 2019. Der Ironman auf Hawaii gilt als härtestes Rennen des Wettbewerbs und als Weltmeisterschaft. 

Frodeno ist ein Ausnahmetalent, einer der die Gabe und Statur eines Spitzenausdauersportlers besitzt, aber auch den Willen, es allen immer wieder zu zeigen. Ein Getriebener? Vielleicht, aber vielmehr ein Perfektionist, der immer weiter an sich und seiner Technik feilt, bis es nahezu perfekt läuft. 

Jan Frodeno wird in Köln geboren und lebt die ersten paar Jahre in Wermelskirchen im Bergischen Land. Seine Eltern sind der Enge irgendwann überdrüssig und ziehen nach Südafrika. Dort wächst Jan auf, treibt ein bisschen Sport. In Südafrika fährt er die Cycle Argus Tour mit und erkennt, dass er auf dem Rad ganz gut unterwegs ist. Als er das Wellenreiten für sich entdeckt, verlangt seine Mutter, dass er erst mal richtig schwimmen lernt – er ist da schon 15 Jahre alt. 

Im Becken geht er anfangs fast unter, entdeckt dann seinen Ehrgeiz und wird immer besser, später Rettungsschwimmer. Er lernt den südafrikanischen Olympiateilnehmer Conrad Stoltz kennen, der ihn fördert. Jan hat Talent und, noch wichtiger, den Willen, besser zu werden. 2000 beginnt er als 19-Jähriger eine Karriere als Triathlon-Profi in Sigmaringen, zwei Jahre später startet er erstmals in der Triathlon-Bundesliga und in der deutschen Nationalmannschaft. 2004 wird er Vize-Weltmeister bei den U23, 2007 deutscher Meister in der Kurzdistanz. 2008 gewinnt er in Peking Gold, einer seiner größten Erfolge. 2010 schaut er sich das erste Mal ein Langdistanz-Rennen an, lehnt es aber anfangs ab, weil es ihm „nicht dynamisch genug“ ist. 2014 startet Frodeno dann doch auf der Distanz – und wird danach süchtig. Bis heute. Seine Leidenschaft für den Sport beschreibt er als eine Mischung aus natürlichem Bewegungsdrang und eine Art von Hyperaktivität, hervorgerufen durch seine vielen Umzüge. 

Erst Anfang 2022 war es mal wieder soweit und er zog Jan mit seiner Familie von Girona nach Andorra. Die Berge sind gut für ihn und sein Training, machen ihn ausdauernd und schnell. Aber auch ein Spitzensteuersatz von zehn Prozent dürfte nicht ganz uninteressant sein. Rund 35 Stunden trainiert er wöchentlich, in zwei bis vier Einheiten täglich. 

Ein Ausdauersportler, der die meiste Zeit draußen verbringt, aber auch gerne Auto fährt. Schon immer. Jan Frodenos erstes Auto in Südafrika ist ein VW Golf Citi 1.3. „Das Autofahren hat mir mein Onkel beigebracht, der auch ein paar Rallyes gefahren ist“, sagt er. Nach seinem Olympiasieg 2008 mag es der Sportler gerne schnell, fährt Sportwagen wie McLaren MP4, Mercedes C63 AMG oder Porsche 911 4S (997). „Ich fahre gerne Auto, bin auch noch gerne schnell und sportlich unterwegs, allerdings weitaus entspannter als früher“, grinst er. Für den Alltag nutzt er einen Mercedes GLS 580, den er sich mit seiner Frau teilt. „Ein praktisches, großes Auto, in dem wir alles reinbekommen, auch für den Urlaub“, erklärt Jan Frodeno. 

Durch seine Kooperation mit Mercedes-Benz kann er immer mal wieder andere Modelle fahren wie den elektrischen EQS, mit dem er ein paar Tage quer durch Deutschland gefahren ist, und den EQB. „Die Beschleunigung bei E-Autos ist sensationell und das Zwischenladen klappt zumindest in Nordeuropa gut“, sagt er. Als er noch mit seiner Familie in Girona wohnte, fuhr er einen EQC, tankte die Batterie mit dem Strom seiner PV-Anlage auf dem Dach. In Andorra ist das nicht mehr möglich, daher der Verbrenner. Oder eines seiner Fahrräder. Statt Autos parken in seiner Garage rund 20 Fahrräder, aktuelle Trainingsbikes, Wettkampfräder und Mountainbikes. Im Jahr spult er mehr als 12.000 Kilometer mit dem Rad ab, davon viele in den Bergen. Grenzen lotet er allerdings nur im Wettkampf aus, von denen er fünf bis sechs im Jahr bestreitet – wenn er fit ist.

Hawaii 2023 als Ziel

In den vergangenen Monaten hatte Frodeno allerdings etwas Pech. Eine Verletzung an der Achillessehne wurde falsch behandelt, sodass er nicht mehr schmerzfrei laufen konnte. Im August stürzte er beim Radtraining und musste mehrmals operiert werden – am Ironman in Hawaii 2022 kann er nicht teilnehmen. „Sicher hat mich das geärgert, aber gleichzeitig auch angespornt, weiterzumachen und es 2023 in Hawaii allen und vor allem mir zu zeigen“, erklärt Frodeno. 

Die nächsten Monate wird er sich akribisch auf die Langdistanz vorbereiten – und sich dann aus dem Profigeschäft zurückziehen. „Ich kann meine Karriere nicht ruhig auslaufen lassen, sondern benötige ein festes Ziel. Außerdem habe ich meine Ziele immer öffentlich gemacht, um mehr Druck zu erhalten. Das benötige ich einfach, ich will mich selbst an mir messen“, sagt er.

Mit dem Sturz geht er schnell rational um: „Ich bin schon seit ein paar Jahre in Geschäft und weiß, dass der Rückschlag etwas Positives mit sich bringt. Den Schmerz und die Wut speichere ich als Motivation für die nächsten Rennen ab.“ Das Feuer in ihm brennt, auch nach über 20 Jahren Leistungssport. Allerdings hat der Triathlet heute andere Werte und Träume als vor zehn Jahren, beschreibt sich als zufriedener und entspannter als früher. Sein Alter sieht er wegen der Trainings- und Wettkampferfahrung als Vorteil. Dazu kommt seine, wie er es selbst nennt, Straßenköter-Mentalität. „Ich gehe regelmäßig mit dem Kopf durch die Wand, mit einer Portion Aggressivität, und lasse mich dann nicht rational überzeugen.“

Die Idioten dieser Welt

Er muss nur noch sich selbst etwas beweisen, niemandem sonst. „Zwei Prozent meiner Motivation reserviere ich für die Idioten dieser Welt. Den Neinsagern, Besserwissern und Konkurrenten, die meinen, meine Zeit ist abgelaufen, oder die mir den Erfolg nicht gönnen. Daraus baue ich mir ein Konstrukt, das ich persönlich nehme. Das klappt ganz gut“, grinst er. Einen Spruch auf Social Media nach seinem Sturz hat er sich abgespeichert: ‚DAS war es für Frodeno.‘ „Ich weiß jetzt schon, was ich mir 2023 in Hawaii mental als Foto unterlegen werde“, so Frodeno.

Er trainiert allerdings anders als noch zu Beginn seiner Karriere. „Ich habe mittlerweile verstanden, dass es nicht um die Tagesleistung geht, sondern um das Gesamtziel. Früher habe ich härter trainiert, heute konditioniere ich die Leistung genauer“, erklärt er. Dazu zähle auch mentales Training, denn gegen Schmerzen helfe häufig mentale Frische und sein Mantra: Rock it! Er sieht dann eine NASA-Rakete, die in den Himmel steigt. Die Idee der Verbesserung treibt ihn jeden Tag an, das Streben nach Perfektion. „Ich glaube, dass ich noch etwas aus meinem Körper herauszuholen kann und sehe es ja auch anhand der Daten, die ich analysiere“, erklärt er. Sein letzter Hawaii-Erfolg 2019 war sein bestes Rennen. „Da kam alles zusammen: besonderer Verlauf, frische Beine und das Zusammenfließen aus 20 Jahre Erfahrung. Das Rennen konnte ich bewusst genießen“, sagt er.

Die meisten Hobbysportler verpassen es, den Genuss wahrzunehmen, den so ein Training bis zu einem konkreten Ziel mit sich bringt. Sein Rat: weniger verbissen trainieren und an Wettkämpfen teilnehmen, sondern stattdessen mehr genießen. Sein eigenes Ziel: Jeden Moment zu genießen. Sein Ziel für 2023: Mindestens ein deutsches Rennen gewinnen. Und natürlich Hawaii.

TEXT Fabian Hoberg
FOTOS Markus Gilliar 

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