Das süße Leben. Roadtrip Sardinien.

Jeden Alpenpass erobert? Selbst den Norden vollständig vermessen? Und seit dem auf der Suche nach Neuem? Wie wäre es dann mit einer Runde an der Südwestküste von Sardinien? Der wunderschöne Ferrari Roma Spider ist dafür keine Pflicht, aber wenn er schon einmal da steht …

Rein in den Flieger, raus in die Sonne: Cagliari begrüßt uns mit einem salzigen Kuss vom Mittelmeer. Von hier aus führt unser Weg nach Pula, dem Start- und Zielpunkt unserer rund 300 Kilometer langen Runde durch den Süden Sardiniens. Der malerische Ort ist bekannt für die Ruinen von Nora – eine archäologische Schatztruhe der Antike. Doch Geschichte muss warten. Jetzt zählt nur eins: Der Ferrari Roma Spider funkelt vor uns wie eine Verheißung aus Blech und Benzin. Würde in diesem Moment jemand nach dem schönsten Auto fragen – wir würden wortlos auf ihn zeigen.

Ein Auto zum Schwärmen – und Offenfahren

Selbst mit geschlossenem Stoffverdeck – seit dem legendären 365 GTS4 von 1969 zum ersten Mal wieder bei Ferrari im Einsatz – bleibt die Silhouette makellos. Doch Cabrio fährt man nicht mit Dach, sondern mit Himmel. In nur 13,5 Sekunden faltet sich das Verdeck in kunstvoller Z-Form unter seinem Deckel zusammen. Über uns: strahlendes Blau. Vor uns: eine Haube, die sich ins Unendliche zu strecken scheint. Das wird ein schöner Tag.

Damit sich der Wind nicht in den Innenraum stürzt wie ein ungebetener Gast, haben die Aerodynamiker eine clevere Lösung gefunden: Die einteilige Rücklehne lässt sich per Knopfdruck aufstellen und zähmt so die wilden Luftwirbel. Einmal getestet, für brillant befunden – und dann doch wieder eingeklappt. Schließlich wollen wir die Meeresbrise spüren, die in salzigen Wellen über die Küste rollt.

Das Biest erwacht

Sanft begonnen, schnell eskaliert. Erst gleiten wir, dann drängt sich der 3,9-Liter-V8 mit seinen 620 PS in den Vordergrund. Der Achtgang-Doppelkuppler an der Hinterachse reagiert mit telepathischer Präzision auf unsere Laune und serviert uns nun mit Nachdruck die Gänge. Zwei Twinscroll-Lader bescheren dem Roma Spider ein bäriges Drehmoment von 760 Nm, das sich so linear entfaltet, dass der GT-Charakter des Romas niemals in Zweifel gerät. Ist er schnell? Oh ja! In 3,4 Sekunden schießt er auf Tempo 100, erst jenseits von 320 km/h geht ihm die Puste aus.

Doch Tempo ist nur ein Teil der Magie. Sardinien beschenkt uns mit leeren, kurvigen Küstenstraßen, die so perfekt gezeichnet scheinen, als hätte sie ein Designer mit Ferrari-Rot im Skizzenbuch entworfen. Die Lenkung? Direkt. Die Vorderachse? Beißt sich in den Asphalt. Die Carbon-Keramikbremsen? Anker mit Feingefühl. Und beim Runterschalten? Ein Gänsehaut-Zwischengas, das sonst nur Könner aus dem Ärmel schütteln.

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Ferrari macht Freunde – und Sehnsucht

Egal, wo unser Roma Spider im schimmernden Rosso Portofino auftaucht – überall begegnen uns freundliche Gesichter. Neid? Fehlanzeige. Vielleicht ist das ja wirklich nur ein deutsches Problem.

Vor lauter Begeisterung wären wir fast an Chia vorbeigerauscht, wo sich ein karibischer Traumstrand hinter Wacholderdünen versteckt. Schon Hollywood hat dieses Paradies für sich entdeckt. Doch für einen ausgiebigen Badeurlaub fehlt uns die Zeit – und der Wille, aus dem Roma Spider auszusteigen.

Innenraum: Moderne trifft Nostalgie

Drinnen hat Ferrari den Roma Spider zum Kunstwerk gemacht. Vieles ist digital, vieles anders. Blinkerhebel? Gestrichen. Stattdessen Knöpfe im F1-inspirierten Lenkrad. Touchflächen für weitere Funktionen fordern Ferrari-Neulinge heraus, doch zum Glück bleibt das Manettino analog – der rote Drehknopf, mit dem man den Charakter des Autos blitzschnell verändert. Und dann diese Hommage: Der Automatik-Wählhebel erinnert optisch an eine klassische offene Handschaltkulisse. Eine kleine, feine Verbeugung vor der großen Vergangenheit.

Berg und Tal – und ein bisschen Geschichte

Hinter Masainas biegen wir in Richtung Nuxis ab, queren die Staumauer des Lago di Bau Pressiu und schlängeln uns Richtung Nordwesten. Nach ruhigen Kilometern ist der Ferrari wieder hellwach. In schnellen Kurven zeigt sich, wie perfekt Federn und Dämpfer aufeinander abgestimmt sind. Keine Überraschungen, keine Tücken – der Roma Spider ist ein charismatischer Gleiter mit einem Funken Wahnsinn, wenn man ihn lässt. Guido, das isse eine eckte Ferrari!

Plötzlich taucht Porto Flavia vor uns auf: ein historischer Hafen, der direkt in den Fels geschlagen wurde. Ein 600 Meter langer Tunnel führt dorthin – ein steinernes Denkmal an eine Zeit, in der Sardinien das Herz der Bergbauindustrie war.

Das letzte Kapitel unserer Reise

Nur wenige Kilometer weiter lockt der Strand von Portixeddu mit weißem Sand und türkisblauem Wasser, doch unser Weg führt weiter über den kurvigen Passo Bidderdí nach Guspini, wo die alten Minen längst stillgelegt sind. In der Epoche der schweren Arbeit war an Dolce Vita nicht zu denken – ein Leben, das der Roma Spider uns auf jedem Kilometer schenkt.

Wem nach mehr Geschichte ist, der sollte einen Abstecher zu den Perdas Longas machen, den mystischen „Langen Steinen“. Oder weiter nach Torre dei Corsari, wo Sardiniens Vergangenheit zwischen punischen Ruinen und rosa Flamingos auflebt. Hatten wir zu viel versprochen?

Zurück nach Cagliari – aber nicht in die Realität

Vallermosa grüßt uns mit seinem „schönen Tal“, dann geht’s durch das gewaltige Gutturu Mannu-Reservat – 35.000 Hektar purer Natur. Bald schon leuchtet der Hafen von Cagliari am Horizont, wo die Kreuzfahrtschiffe wie gigantische Fremdkörper in der mediterranen Kulisse ruhen. Doch an Bord gehen? Lieber nicht. Stattdessen schwenken wir nach rechts und rollen zurück nach Pula, dem Ausgangspunkt unserer Reise.

Wir haben Sonne getankt, Eindrücke gesammelt und am Ende fällt es schwer, den Ferrari Roma Spider wieder abzugeben. Nicht, weil er perfekt wäre. Sondern weil er etwas kann, das selten geworden ist: Er macht schon den Weg zum Ereignis. Wer selbst einen will, sollte mindestens 242.000 Euro einplanen und Geduld mitbringen, denn die Warteliste ist lang. Wen wundert’s?

TEXT Michael Heimrich
FOTOS Ferrari

Technische Daten

Motor: 3,8 l V8 Biturbo, Leistung: 620 PS bei 5.750–7.500 U/min, Drehmoment: 760 Nm bei 3.000–5.750 U/min; Antrieb: 8-Gang, Doppelkupplung, Hinterrad; Gewicht: 1.556 kg;  0–100 km/h: 3,4 s, Vmax: 320 km/h; Grundpreis: 242.000 €

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