ROSENBERGER, BREMS!!!

Kris Rosenberger gilt seit Jahrzehnten als fixe Größe im österreichischen Rallyesport. Eine kleine Retrospektive und der Versuch, eine Antwort auf die Frage zu finden, was Kris Rosenberger antreibt.

Mit dem Namen Rosenberger kam man in den siebziger und achtziger Jahren unweigerlich in Verbindung, wenn man sich durch Österreich bewegte. Der Individualverkehr boomte, mit ihm der Autobahn-Ausbau und damit die Entstehung der Autobahn-Raststätten. Unter Kris Rosenbergers Vater Heinz wuchs das Unternehmen auf 20 Betriebe mit rund 1.000 Mitarbeitern an. Dementsprechend war die Kindheit von Kris Rosenberger durch ein Leben an der Raststation und sein sehr frühes Interesse an Motorrädern und Autos geprägt.

„Für einen zehnjährigen Burschen lag ein Auto aber natürlich in unerreichbarer Ferne, also versuchte ich recht hartnäckig, meinen Vater von einer recht harmlosen Automatic Puch zu überzeugen, was mir irgendwann auch gelang. Damit war allerdings die Büchse der Pandora geöffnet – und mit den Jahren wurde nicht nur ich größer, sondern es wuchsen auch die Motorräder mit“, schmunzelt Rosenberger, der recht bald ein Faible für Motocross-Rennen entwickelt hatte: „Mit 14 fuhr ich meine ersten Rennen, wobei ich nur bedingt erfolgreich war. Nach zumeist recht vielversprechenden Starts schaffte ich es im Anschluss selten länger als fünf zusammenhängende Runden sturzfrei zu bleiben. Als mich dann mit ungefähr 18 Jahren ein gewisser Heinz Kinigadner (Anm.: Österreichs erster Motocross-Weltmeister, heute KTM Rennsport-Berater) bei einem Motocross Rennen in Imbach überrundete, habe ich begonnen darüber nachzudenken, wie ich meine Wochenenden sinnvoller verbringen könnte.“

Es kam, wie es kommen musste: Als der junge Kris Rosenberger gleichzeitig Hand und Sprunggelenk gebrochen hatte, ergriff er die Chance und versuchte seinem Vater einzureden, dass Rallyefahren die viel ungefährlichere Sportart wäre – zumal Rosenberger Senior als begeisterter Tennis- und Golfspieler nur mäßiges Verständnis für Sportarten hatte, die regelmäßige Spitalsaufenthalte inkludierten. Der Überredungsversuch gelang, wenige Monate später gab Kris Rosenberger im Jahre 1991 bei der „Bosch Rallye“ am damaligen Österreichring (heute: Red Bull Ring) Gas.

Seinen Peugeot 205 hatte Kris gegen einen Ford Sierra Cosworth 4×4 eingetauscht. Eine optimale Wahl für Rallye-Anfänger: 300 PS! Johann Grabner verwandelte das Serienfahrzeug in ein (Gott sei Dank) sicheres Rallyefahrzeug, die Teile dafür schaffte Rosenberger höchstpersönlich aus England heran. Anmerkung: Beinahe wäre der Teile-Transport jedoch nicht angekommen – ein englischer Polizist hatte die Höchstgeschwindigkeit des Kombis, den sich Kris Rosenberger von seiner Mutter ausgeborgt hatte, maßlos überschätzt und wollte den eiligen Österreicher nicht mehr weiterfahren lassen.

Damals hielt ich es übrigens für normal, dass der Beifahrer vor jeder Kurve „ROSENBERGER, BREMS!!!“ schrie.

Es braucht genau diese Geschichte, um Kris Rosenberger und seine damalige Herangehensweise an den Rallyesport zu verstehen. Nachdem das Thema Auto positiv erledigt war, kam das Fahren an die Reihe: Ein furchtloser Beifahrer (Johann Fussl) war rasch gefunden, leider war durch die Teilebeschaffung aber kaum mehr Geld für Reifen vorhanden, wenngleich es für einen Satz neuer Slicks reichen sollte. Testfahrten gab es keine (Budget!), also fuhr Rosenberger auf der ersten Prüfung seines Lebens zum ersten Mal in seinem Leben mit Slick-Reifen: „Die Slicks hatten tollen Grip, ich aber keine Ahnung, wo das Limit war. Also versuchte ich mich dem Limit zu nähern, indem ich vor den Abzweigen und Kurven auf dem Asphalt nach den schwarzen Bremsspuren der Mitbewerber suchte. Wenn ich die gefunden hatte, hielt ich noch eine Sekunde ohne zu bremsen die Luft an und versuchte danach, irgendwie die Kurve zu kriegen. Damals hielt ich es übrigens für normal, dass der Beifahrer vor jeder Kurve „ROSENBERGER, BREMS!!!“ schrie. Heute weiß ich, dass es der reine Selbsterhaltungstrieb und die pure Angst waren.“

Beendet wurde die Premiere durch einen Doppel-Salto, und es sollten noch viele weitere Ausrutscher folgen (unter anderem jener legendäre Abflug bei der Mobil-Rallye, der einen ganzen Ort ohne Strom zurückließ, weil neben 50 Meter Leitschiene auch der Strommast „gekappt“ wurde), bis sich bei Kris Rosenberger die Ansicht durchsetzen sollte, dass man dem Limit auch von unten begegnen kann. Als „Arbeitsgerät“ dienten ihm dabei neben dem erwähnten Ford Sierra Cosworth unter anderem ein Ford Escort Cosworth und schließlich eine Toyota Celica, die Kris im Jahre 1997 mit nicht weniger als vier Siegen und drei zweiten Plätzen zum österreichischen Rallye-Staatsmeister verhelfen sollte. Als Freund und genialer Co-Pilot fungierte bereits damals Beifahrer-Legende Sigi Schwarz, der auch bei vielen späteren „Rallye-Aktionen“ an Rosenbergers Seite stand (und saß).

Schon damals startete Rosenberger auch international, einige Rallye-WM-Läufe bestritt er sogar mehrmals, teilweise mit gutem Erfolg. Gleichzeitig wurde er auch wieder auf zwei Rädern aktiv, als Marketing-Verantwortlicher der damals noch im Aufbau befindlichen und heutigen Motorrad-Weltmarke KTM konnte er zwischendurch seiner Motocross- und Enduro-Leidenschaft frönen. Als in Österreich pünktlich zum Millennium der WRC-Wahnsinn losbrach, beteiligte sich Kris Rosenberger daran nur sporadisch: Mit einem Seat Cordoba WRC wurde er einmal Gesamt-Fünfter der Castrol-Rallye, am Ende der Saison lieferte er im Waldviertel vor laufenden ORF-Kameras einen spektakulären Mehrfach-Rollenabgang.

Es folgte eine wunderbare „Trotzphase“ mit Morris Mini Cooper (ja, mit Sigi Schwarz als Co!) oder Lancia Delta Integrale (Originalfahrzeug, versteht sich) bis er mit einem Gruppe-N-Subaru in den Saisonen 2004 und 2005 wieder „seriös“ wurde. Unvergessen dabei das Tutorial „how to chop your Subaru“, ebenfalls eingefangen von den ORF-Kameras, bei dem er sich nach einem Highspeed-Ausrutscher des gesamten Fahrzeug-Hecks entledigte…

Danach sattelte der Niederösterreicher auf VW um: Anfangs VW Golf IV Kitcar, danach VW Polo S2000, historisch gab’s einen kurzen Exkurs mit einer Lancia Fulvia, die jedoch sehr bald einem Porsche 911 SC weichen musste. Nachdem er 2010 Historic Staatsmeister geworden war, ging’s zurück in den VW Polo S2000, um gleich danach erneut historisch tätig zu werden – weitere Historic-Staatsmeistertitel folgten 2014 und 2017. Bleibt die Frage, ob Kris Rosenberger nie die Ambition verspürte, doch noch einmal um den „großen“ Staatsmeistertitel zu kämpfen?

Wer den mittlerweile in die Steiermark „eingebürgerten“, stets gut gelaunten Rosenberger kennt, der weiß, dass es ihm in erster Linie nicht um Titel oder Siege geht: „Klar freu‘ ich mich, wenn ich besonders gut gefahren bin oder gewonnen habe, und natürlich möchte ich nicht hinten nachfahren. Aber erstens wollte ich nie mein eigenes Geld unkontrolliert verbrennen, um dann vielleicht zweifacher österreichischer Staatsmeister zu sein. Und zweitens steht für mich immer, bei allem was ich motorsportlich mache, der Spaß im Vordergrund. Aber nicht bloß meiner, vielmehr möchte ich auch den Rallyefans, den Leuten draußen auf den Prüfungen, eine Freude machen. Schließlich ist uns allen eines gemein: Die Liebe zum Sport! Und das taugt mir einfach am Rallyefahren, deshalb werde ich das auch bestimmt so lange machen, wie es mir möglich ist!

Taten und Pläne dafür gibt es jedenfalls zur Genüge: Rosenberger hat in der steirischen Landeshauptstadt Graz sein eigenes Motorrad-Geschäft eröffnet, fährt historische Motocross-Rennen, liebäugelt mit dem Thema Rallye-Raid: Ein Rennen ist er schon gefahren, in Abu Dhabi lag er im FIA Cross Country Rally World Cup auf Anhieb in den Top-10. Die letzte Wahnsinns-Idee: Ein Porsche 911 GT3 für die österreichische Rallye-Staatsmeisterschaft. Und warum das Ganze? „Weil dieser 997er GT3 einfach so klasse klingt und so herrlich laut ist. Ich liebe diesen Sound! Und man kann damit genial querfahren!“ Kris Rosenberger grinst bis über beide Ohren, deutet mit beiden Händen ein Gegenlenken an, die Augen glänzen. Einmal Petrolhead, immer Petrolhead, von Bremsen keine Spur, selbst wenn der Co oder jemand anders noch so laut schreien würde… Was ein Glück!

TEXT Manfred Wolf
FOTOS Privat

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